Vom Skalpell zum Scanner

15. August 2025

Dr. Henriette Lerner schwimmt nicht einfach auf der digitalen Welle – sie prägt sie entscheidend mit. Was einst als chirurgische Laufbahn mit Wurzeln in analoger Präzision begann, hat sich zu einer weltweiten Mission entwickelt: die digitale Zahnheilkunde ins Zentrum zu rücken. Von Ganzkiefer-Rekonstruktionen bis zur Zusammenarbeit mit Laboren über Kontinente hinweg – exocad ist für Dr. Lerner längst ein unverzichtbares Tool. In diesem exoBlog berichtet sie über ihren Weg von der Oralchirurgie zur digitalen Expertise, ihre Lieblingstools und Lehrerfahrungen – und warum sie sich jeden Morgen vier einfache Fragen stellt, um geerdet zu bleiben.

Q: Wie sind Sie zur Zahnheilkunde gekommen – und schließlich zu digitalen Workflows?

A: Ich bin Ungarin, geboren in Rumänien, als Teil der ungarischen Minderheit. Dort habe ich auch studiert und zunächst als Allgemeinzahnärztin gearbeitet, bevor ich mich auf Oralchirurgie spezialisiert habe. Rund ein Jahrzehnt habe ich ausschließlich operiert, bis ich meine Leidenschaft für das Lehren entdeckte. Daraus entstanden zunächst Study Clubs und später eine internationale Konferenz. 2017 traf ich auf die Digital Dentistry Society (DDS) – ab da nahm die digitale Reise richtig Fahrt auf. Kürzlich habe ich außerdem eine Position als Adjunct Clinical Assistant Professor an der New York University angenommen.

Q: Was hat Sie ursprünglich an der digitalen Zahnheilkunde fasziniert?

A: Die analoge Zahnheilkunde bot mir nicht die Vorhersagbarkeit und Präzision, die ich mir besonders bei Ganzkiefer-Rehabilitationen wünschte. Digitale Tools halfen mir, besser zu planen, schonender zu arbeiten und meinen Idealresultaten näherzukommen. Wenn ich ein Tool sehe, das meine Arbeit verbessert, nehme ich es in meinen Katalog auf. exocad wurde schnell unverzichtbar.

„Heute leite ich mein eigenes Labor und arbeite remote mit Zahntechnikern in Brasilien und Italien zusammen. Wir sprechen dieselbe Sprache: digital.“

Q: Erinnern Sie sich an Ihre ersten Erfahrungen mit exocad?

A: Absolut – Ganzkiefer-Fälle mit dem digitalen Pionier Uli Hauschild! Die Zusammenarbeit mit ihm hat mir geholfen, einen vollständig digitalen, flüssigen Workflow aufzubauen. Heute leite ich mein eigenes Labor und arbeite remote mit Zahntechnikern in Brasilien und Italien zusammen. Wir sprechen dieselbe Sprache: digital.

Q: Wie hat exocad Ihren Praxisalltag verändert?

A: Es hat ihn nicht nur verändert – es hat ihn neu erfunden. Wir planen heute rückwärts, ausgehend vom visualisierten Endergebnis. Datenerfassung, Design, Funktion – alles ist miteinander verknüpft. Es ist nicht mehr „nur“ Zahnheilkunde, sondern eine völlig neue Disziplin.

Q: Was sind Ihre Lieblingstools von exocad?

A: Das Smile Creator Module, das Implant Module und das Guide Creator Module sind fantastisch. Auch das Virtual Articulator Module ist für mich enorm wichtig. Damit kann ich von Anfang an präzise, funktionale Restaurationen planen – besonders für Ganzkiefer-Fälle. Die Möglichkeit, Kieferbewegungen digital zu registrieren, war ein echter Game Changer.

„Die ‚Hero-Tools‘ sind für mich die kleinen Widgets – drehen, skalieren, feinjustieren, Okklusion anpassen. Diese Vorgänge wirken nebensächlich, machen den Designprozess aber flüssiger, schneller und intuitiver.“

Q: Was ist Ihr persönliches Hero-Tool?

A: Die „Hero-Tools“ sind für mich die kleinen Widgets – drehen, skalieren, feinjustieren, Okklusion anpassen. Diese Vorgänge wirken nebensächlich, machen den Designprozess aber flüssiger, schneller und intuitiver.

Q: Sie sind auch stark in der Lehre engagiert. Was motiviert Sie, weiterhin zu unterrichten?

A: Leidenschaft ist zu einer Mission geworden. Ich liebe es, Wissen zu teilen und die Zukunft der Zahnheilkunde mitzugestalten. Über die Digital Dentistry Society definieren wir digitale Zahnheilkunde als eigenständige Disziplin und helfen anderen, den Schritt zu wagen.

Q: Welche Innovationen begeistern Sie am meisten?

A: Automatisierung und KI. Alles, was Planung oder Design per Knopfdruck ermöglicht – Implantatpositionierung, Emergenzprofile, Kronendesigns –, wird die digitale Zahnheilkunde noch zugänglicher und gleichzeitig leistungsstärker machen.

Q: Und zum Schluss eine persönliche Frage: Haben Sie einen Lieblingszahn?

A: Früher habe ich immer gesagt: der Weisheitszahn – die habe ich gerne extrahiert! Aber ehrlich gesagt liebe ich Zähne einfach in Harmonie. Am Ende zählt das gesamte Lächeln.

Q: Was läuft aktuell auf Ihrer Playlist?

A: „Feels Like Home" von Edwina Hayes. Einfach und beruhigend – ein Lied, zu dem ich immer wieder zurückkehre.

Q: Welchen Rat würden Sie Ihrem jüngeren Ich geben?

A: Beginne mit dem Ziel vor Augen. Stelle dir jeden Morgen vier Fragen: Wer bin ich? Was will ich? Was ist mein Ziel? Wofür bin ich dankbar? Diese vier Fragen halten mich im Gleichgewicht.

Q: Letzte Frage – exocad in einem Wort?

A: Vision. Es hilft uns, die Zukunft der Zahnheilkunde wahrzunehmen und zu gestalten.

Bio Graphic Helene Lerner

 

Dr. Helene Lerner Ph.D., FDS RCS, ist Fachzahnärztin für Oralchirurgie mit Schwerpunkt Implantologie und Ästhetik. Sie ist Inhaberin und Leiterin der HL-Dentclinic & Academy in Baden-Baden, einer akademischen Klinik-, Lehr- und Forschungseinrichtung, die der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt angeschlossen ist. Als ehemalige Präsidentin der Digital Dentistry Society International promovierte Dr. Lerner in digitaler Zahnheilkunde. Zudem ist sie Gastprofessorin an der Internationalen Universität von Agadir Universiapolis, Fellow des Royal College of Physicians and Surgeons of Glasgow und Adjunct Clinical Assistant Professor an der New York University. Sie können ihre Arbeit auf Facebook, Instagram und LinkedIn verfolgen.


von Caitlan Reeg
Texterin bei exocad

Caitlan Reeg verbringt ihre Tage damit, der Welt von den Innovationen erzählen, die ihre Kollegen entwickeln. Gesundheitsthemen, Technologien und die Art und Weise, wie diese beiden Bereiche ineinandergreifen, um unser Leben zu verbessern, begeistern sie. Früher hat Caitlan als Journalistin bei Dow Jones Newswires in Frankfurt und beim nationalen öffentlichen Radiosender Marketplace in Los Angeles gearbeitet.

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